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Ein Schulleiter sagt Ja zu Kopfnoten
Uwe Engelbrecht ist vom Sinn der Bewertungen überzeugt. Die Kopfnoten seien 100-prozentig hilfreich für Kinder, die in ihren schulischen Leistungen schlecht abschneiden.
Krefeld. Als die Handreichung zum „Arbeits- und Sozialverhalten in Zeugnissen“ aus dem Düsseldorfer Schulministerium kam, hielt sich auch Uwe Engelbrechts Begeisterung in Grenzen. „Zuerst dachte ich: Wie viel Arbeit kommt da auf uns zu? Und bringt das überhaupt etwas?“, fragte sich der Direktor der Stephanusschule in Krefeld.
Morgen nun werden die 485 Schüler der städtischen katholischen Hauptschule erstmals Kopfnoten auf ihren Halbjahreszeugnissen finden.
„Wenn wir schon von Kopfnoten sprechen, dann sollen sie auch dort stehen – am Kopf“, meint Engelbrecht ganz pragmatisch. Genauso pragmatisch, wie er das Thema insgesamt angegangen ist.
Dabei kam den Pädagogen entgegen, dass das Info-Material des Ministeriums nicht sehr konkret war. „Damit hatten wir die Möglichkeit, den vorgegebenen Rahmen selbst auszukleiden“, sagt Engelbrecht.
Schnell war man sich einig, wie Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt und Selbstständigkeit zu benoten sind. „Schwerer haben wir uns damit getan, einen Katalog für Konfliktverhalten, Verantwortungsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit zu erstellen“, sagt der Direktor.
Denn während es der eine Lehrer begrüßt, wenn ein Schüler seine eigene Meinung vehement vertritt und keine Kontroverse scheut, nennt vielleicht ein anderer Kollege den gleichen Jugendlichen einen Unruhestifter. „Das war auch bei uns der Knackpunkt“, weiß Engelbrecht um ähnliche Diskussionen in vielen Kollegien. Bei den Fünft- und Sechstklässlern lassen die Lehrer Nachsicht walten Zudem kam die Stephanusschule zu dem Schluss, dass Fünft- und Sechstklässler anders zu bewerten sind als die Jugendlichen der siebten und achten sowie der neunten und zehnten Klassen. „Je länger die Kinder bei uns unterrichtet werden, desto intensiver kommen wir als Schule unserem Erziehungsauftrag nach und desto mehr können wir von den Schülern auch in punkto soft skills verlangen.“
Bei den Kleinen hingegen sei Nachsicht geboten. Mögliche erzieherische Defizite im Elternhaus dürften da nicht zu Lasten der Schüler gehen, formuliert es Engelbrecht vorsichtig. Insgesamt habe das Kollegium die „gesamte Palette“ der vier Notenstufen von „sehr gut“ bis „unbefriedigend“ vergeben – „wobei der Durchschnitt schon bei eins bis zwei liegt“, so der Direktor. Dahinter steckt viel Arbeit. Denn sechs zusätzliche Beurteilungen pro Schüler machen bei fast 500 Schülern nahezu 3000 zusätzliche Noten, „die nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden“, wie Engelbrecht feststellen musste.
Einen ersten Notenvorschlag machte der Klassenlehrer, der die Schüler wöchentlich bis zu 16 Stunden unterrichtet. Die Fachlehrer setzten – wenn sie dem Votum nicht folgen wollten – ihre eigene Note dagegen. „Über Zweifelsfälle wurde heftig diskutiert“, sagt Engelbrecht. Er ist vom Nutzen der Kopfnoten überzeugt. Reaktionen der Eltern zeigten, dass auch dort die Akzeptanz groß sei. „Und die Noten sind 100-prozentig hilfreich für Kinder, deren schulische Leistungen schlecht sind, die aber mit soft skills bei Arbeitgebern punkten können“, glaubt der Pädagoge.
Jetzt gehe es darum, den Betrieben zu vermitteln, dass die Noten ernsthaft und auf den einzelnen Schüler zugeschnitten sind. Deshalb sei es kontraproduktiv, wenn Schulen nun als Protest Einheitsnoten vergeben würden. „Zumindest als Stephanusschule wollen wir den Betrieben Verlässlichkeit signalisieren.“ Das dürfte Uwe Engelbrecht nicht schwer fallen.
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